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Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt Möbel

Collection: Möbel ( Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt )

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Insgesamt orientierte sich ländliches Wohnen ab dem späten 18. Jahrhundert zunehmend am bürgerlichen Einrichtungsstandard, der mehr Reputation und Bequemlichkeit versprach. Gleichwohl wiesen viele der Möbel eine oft in leuchtenden Farben ausgeführte Bemalung mit floralen, religiösen und anderen Motiven auf. Vor allem deshalb wurden und werden sie oft mißverständlich als "Bauernmöbel" bezeichnet: weder stellten Bauern die Möbel her noch waren sie ausschließlich deren Benutzer. Vielmehr war die Wohnungseinrichtung fast aller ländlicher Sozialschichten weitestgehend das Produkt heimischer Schreiner und Zimmerer. Einige davon hatten durch ihre zünftige Ausbildung einen hohen Qualifizierungsstand erreicht, was sie in die Lage versetzte, auch für anspruchsvolle ländliche (und auch städtische) Kunden zu arbeiten.

Anfertigung und Bemalung wurden in der Mehrzahl von demselben Handwerker ausgeführt. Mit steigender Nachfrage bildeten sich einzelne Möbelzentren bzw. Werkstattkreise mit unterschiedlichem Produktionsprofil und Wirkungsradius heraus. Nach bisherigem Kenntnisstand lassen sich in Thüringen zwei solcher Zentren - Schnett und (Groß)Breitenbach - gesichert nachweisen; gewichtige Indizien deuten auf ein mögliches drittes, allerdings noch nicht genau lokalisierbares Zentrum hin.15 Daraus entwickelten sich auch mehr oder minder deutlich ausgeprägte regionale Stilunterschiede. Als Teil der Brautausstattung waren solche Möbel, die eigentlich erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts dem Wohnstil einer durch wirtschaftlichen Aufschwung zu Wohlstand gekommenen und diesen demonstrativ zur Schau stellenden ländlichen Elite entsprachen, von vornherein auf Repräsentation angelegt. Dennoch haben in der Folgezeit das Bild von dörflicher Wohnweise und von "Volkskunst" nichts mehr geformt als diese "Bauernmöbel" und die dem gleichen Zweck dienenden reichgeschmückten Haushalts- und Arbeitsgegenstände.

Martin Wähler glaubte daraus sogar - einer gängigen Aufassung folgend - Rückschlüsse aufden "Volkscharakter" ziehen zu können und sah "in solch freundlich-malerischen Zierrat [...] die ganze Anmut und Schalkheit des Thüringer auf(leuchten)". So erscheint es nur als folgerichtig, daß etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich allein diese Gegenstände in das Blickfeld volkskundlichen Forschens und Sammelns gerieten. Der Möbelfundus des Museums für Thüringer Volkskunde ist dafür ein beredtes Beispiel. [Text: Moritz, Marina]

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