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Prof. Dr. Karl Mägdefrau (1907-1999)

deutscher Botaniker
Laudatio von Prof. Dr. Franz Oberwinkler: Am 8.2.1907 wurde er in Ziegenhain vor den Toren Jenas geboren. In Jena besuchte er von 1914-26 die Schule. Dort begann er sein Studium der Biologie, das er in München, seiner Wahlheimat, 1930 abschloß. Zwei Jahre verbrachte er danach als wissenschaftliche Hilfskraft in Halle. 1932 kam er nach Erlangen, um eine Assistentenstelle anzutreten. Hier habilitierte er sich und hier lernte er Paula Götz kennen, die er 1940 heiratete. Seine Frau, die ebenfalls Biologie studiert hatte, und die wie er die Gabe der meisterlichen Illustration besaß, war nicht nur der Mittelpunkt der wachsenden Familie, sondern stand auch den Studenten und Kandidaten ihres Mannes mit Rat und Tat zur Seite. Von 1942-43 war die junge Familie ein Jahr in Strasburg und nach Wehrdienst und Gefangenschaft konnte Mägdefrau 1948 seine Tätigkeit als Hochschullehrer an der Universität München wieder aufnehmen. 1960 folgte er einem Ruf nach Tübingen. Hier konnte er mit seinem Kollegen Erwin Bünning in freundschaftlicher Zusammenarbeit die Schwierigkeiten des Aufbaus der Botanik auf der Morgenstelle in hervorragender Weise meistern. Es entstand in Tübingen ein Botanischer Garten mit ökologischen Revieren besonderer Qualität und besonderer Einmaligkeit. Dies hat dem Garten eine weltweite Resonanz eingebracht. Die Ökologie der Pflanzen und ihrer Lebensgemeinschaften hat Karl Mägdefrau immer fasziniert. Nachdem er Fossilien analysiert hatte, versuchte er sie in in ihren Vergesellschaftungen zu interpetieren. Als einer der ersten hat er "Vegetationsbilder aus der Vorzeit" (1948) rekonstruiert und
selbst gezeichnet. Auch in seinem Buch "Paläobiologie der Pflanzen" (1942) werden Lebensräume dargestellt und miteinander verglichen. Mägdefraus zweites großes Forschungsgebiet war die Ökologie der Moose. Aufbauend auf der Kenntnis der heimischen Arten, hat sich seine Forschung zunehmend auf die außereuropäischen Moose und deren Lebensformen gerichtet. So bearbeitete er die "Die Moosvegetation der Lorbeerwälder auf Tenerife" bereits 1943. Schließlich haben ihm seine Reisen in die Tropen, wie etwa die berühmt gewordene Humboldt-Gedächtnis-Expedition (1958) an den Orinoco zusammen mit seinem Freund Volkmar Vareschi, mit einer Fülle bis dahin unbekannter Lebensformen vertraut gemacht. Die Teilnahme an dieser Expedition dokumentiert schließlich ein drittes Tätigkeitsfeld Mägdefraus, die "Geschichte der Botanik". Beim Lesen des Buches gleichen Titels, das 1973 erstmals erschien, nimmt uns seine Meisterschaft unmittelbar gefangen, Einzelpersönlichkeiten darzustellen und sie in der Vernetzung ihrer Epoche, wie auch in der historischen Entwicklung ihrer Disziplinen zu sehen. Hier wird die Bedeutung der Tradition bewußt, das Eingebundensein in den Zusammenhang durchsichtig, die augenblickliche Überbewertung historisch ins rechte Maß zurückgestuft. Mit seiner Tätigkeit in Tübingen konnte Karl Mägdefrau immerhin anknüpfen an die Tradition einer der ältesten Lehr- und Forschungsstätten seines Faches, die auf den berühmten Universialgelehrten Leonhart Fuchs (1501-66), den bisher verkannten Gründer des Tübinger Gartens, zurückgeht. Wer Karl Mägdefrau von Vorlesungen und Vorträgen her kannte, weiß, daß die detailgetreue Besprechung von Einzelmerkmalen die Voraussetzung für die übergreifende Zusammenschau war. Karl Mägdefrau war ein Biologe mit scharf analytischem Blick für das Besondere, aber gleichermaßen auch mit der herausragenden Befähigung zur Synthese. Er hat seinen Studenten die Einzelarten als die Elemente ökologischer Einheiten zu verstehen gelehrt. Dadurch wurden prägende Orientierungshilfen vermittelt, deren Pflege heute ebenso unverzichtbar ist, wie sie ehedem war. Wie sehr der akademische Lehrer Professor Mägdefrau der Weitergabe des wissenschaftlichen Wissens verpflichtet war, läßt sich aus seinen weiteren Lehrbüchern und Lehrbuchbeiträgen ersehen: "Botanik" (1951) und "Niedere Pflanzen" (1967 und in folgenden Auflagen) im führenden Lehrbuch der Botanik für Hochschulen, genannt "Strasburger". Mit seinem Werk und dem Tübinger Botanischen Garten wird er uns und der Nachwelt unvergessen bleiben.

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