museum-digitalthüringen

Close

Search museums

Close

Search collections

Stiftung Schloß Friedenstein Gotha: Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde Kulturgeschichtliche Abteilung [4096 P7]

Flachrelief von St. Gotthard

Flachrelief von St. Gotthard (Stiftung Schloß Friedenstein Gotha CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Stiftung Schloß Friedenstein Gotha / Lutz Ebhardt (CC BY-NC-SA)

Description

Die feuervergoldete Supraporte wurde ursprünglich für die Jacobskapelle zur Verehrung des im Jahre 1131 heilig gesprochenen Bischofs von Hildesheim, Gotthard (960–1038), angefertigt. Die unmittelbar an der via regia errichtete Kapelle, die sich am unteren Hauptmarkt befand, gehörte zu den frühesten Kirchenbauten der Stadt. Im Rahmen der Grumbach’schen Händel wurde sie nach der Blockade Gothas im Jahre 1567 zerstört, da ihr Turm als strategischer Punkt gegen die Belagerer gedient hatte. Die Steine und einige Reliefs von der Kapelle fanden später beim Bau und der Ausgestaltung des neuen Kaufhauses, des heutigen Rathauses, Verwendung. Von 1577 bis 1942 schmückte das romanische Relief das Südportal des im Renaissancestil erbauten Gebäudes. Im Jahre 1950 wurde die Darstellung des heiligen Gotthard an das damalige Heimatmuseum übergeben. Das Flachrelief zeigt den Heiligen in thronender Haltung auf einem mit Greifsköpfen und -beinen verzierten Stuhl zwischen zwei mit korinthischen Kapitellen versehenen Säulen sitzend. Auf dem von einer großen Gloriole umgebenen Haupt trägt er die Mitra, in der rechten Hand hält er den Krummstab, in der linken einen verzierten Codex, die Bibel. Ab Mitte des 12. Jahrhunderts wurde St. Gotthard als Erbauer von Kirchen und Klöstern meist mit dem Kirchenmodell und dem überwundenen Drachen unter den Füßen dargestellt. Das romanische Relief eines unbekannten Künstlers zählt zu den frühesten uns bekannten Wiedergaben von St. Gotthard in Gotha. Erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erschien das identische Abbild des Heiligen als Schutzpatron der Stadt auf dem Siegel der Gothaer Ratsherren. Es ist nicht auszuschließen, dass das Relief von der Jacobskapelle dem Stempelschneider als Vorlage für das Stadtsiegel diente. Die wesentlichen bezeichnenden Attribute des Heiligen wie Bischofsornat, Krummstab, Codex und Heiligenkranz wurden mit einigen Abweichungen vom Original in das Siegelbild aufgenommen. Das ursprüngliche Dekor mit den Greifsköpfen am Bischofsstuhl wurde ebenso im Stempelsiegel beibehalten. In späteren Siegelausgaben und im Stadtwappen wurden diese dann durch Löwenköpfe ersetzt. Zu den Eigentümlichkeiten der religiös bestimmten romanischen Kunst gehörte, dass sie weniger eine dekorative, sondern vielmehr eine belehrende und bekräftigende Bedeutung für die Menschen jener Zeit hatte. Die Darstellung des heiligen Gotthard von Hildesheim sollte nach Vorstellungen der kirchlichen Auftraggeber den Charakter der Lehre und Unterweisung akzentuieren, was durch den Künstler auf dem Gothaer Relief eindrucksvoll wiedergegeben wurde. Die für die Romanik typischen Deformationen und Disproportionen dienten maßgebend der Steigerung des Ausdrucks. [Jekaterina Vogel]
weitere Literatur: Helmut Roob: Die Stadtwappen des Kreises Gotha, in: Veröffentlichungen der Landesbibliothek Gotha 6 (1958)

Material/Technique

Kupfer, vergoldet

Measurements

Höhe: max. 55,5 cm, Länge: 88 cm

Created ...
... When

Relation to people

Literature

Keywords

Object from: Stiftung Schloß Friedenstein Gotha: Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde

Die Bestände des Hauses fußen auf den Sammlungen des 1872 durch den Direktor der Gothaer Lebensversicherungsbank, Karl Samwer, gegründeten ...

Contact the institution

[Last update: ]

Usage and citation

Cite this page
The textual information presented here is free for non-commercial usage if the source is named. (Creative Commons Lizenz 3.0, by-nc-sa) Please name as source not only the internet representation but also the name of the museum.
Rights for the images are shown below the large images (which are accessible by clicking on the smaller images). If nothing different is mentioned there the same regulation as for textual information applies.
Any commercial usage of text or image demands communication with the museum.