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Thüringer Landesmuseum Heidecksburg Kunsthandwerkliche Sammlungen [TLMH Kg 1363 + 1361 + 1362]

Drei Nautiluspokale. 2. Hälfte 17. Jahrhundert

Drei Nautiluspokale (Thüringer Landesmuseum Heidecksburg CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Thüringer Landesmuseum Heidecksburg (CC BY-NC-SA)

Description

Nautiluspokale galten durch das "Zusammenspiel von Material, Technik, Funktion und Ästhetik" (Mette 1995) als "generelles Attribut einer Allegorie des Kunstgewerbes" und waren ausschließlich Bestandteil der Kunst- und Wunderkammern, die neben der Zurschaustellung von "narturalia" und "artificalia" auch dem Studium dienten. Dabei bildete die Zusammensetzung des Pokals sowie die teilweise vorhandene Gravur aufgrund ihrer aufeinander Bezug nehmenden Ikonographie eine bedeutende Rolle. So erinnern die zwei Pokale, bei denen der Schaft in Form eines oder zweier Delphine gebildet ist, an die Geburt der Venus, die, in einer Jakobsmuschel (Fuß) stehend, von Delphinen durchs Wasser gezogen wird. Der Nautilus ist hierbei als Synonym für die Venus zu sehen. Unter diesen Aspekt kann auch die Schwarzgravur des einen Pokals gedeutet werden, auf dem Jagdszenen (nachempfundene Umsetzungen von graphischen Werken Erhard Schoens und Jost Ammans) dargestellt sind. Beim dritten Pokal ist der Schaft in Form eines kleinen Traubenpokals ausgeführt. Die bei diesem aus der Musterkalkschicht geschnittenen und geschwärzten floralen Ornamente und Figuren (z. B. Neptun) verdeutlichen erneut die Auseinandersetzung mit der antiken Mythologie sowie mit der seit der Renaissance intensiver betriebenen Erforschung der römischen Antike. Die früheste für die Sammlungsgeschichte wichtige Erwähnung der Nautiluspokale findet sich in einem 1729 angefertigten Inventar über das Raritätenkabinett des Fürsten Friedrich Anton von Schwarzburg-Rudolstadt (1692-1744). Neben mehreren kunstvoll bearbeiteten Kokosnüssen, Edelstein-, Elfenbein- und Goldschmiedearbeiten werden zweimal "Eine Muschel mit silber verguldeten Fuß", "Eine silber verguldte Muschel mit der Fortuna" sowie "Eine Muschel mit einem silbern Fuß" erwähnt. Obwohl es sich nur um eine Auflistung mit einer ungenauen Beschreibung handelt, ist davon auszugehen, dass von den vier genannten Kabinettstücken mindestens drei Nautiluspokale sind. Anhand der in den folgenden Jahren angefertigten Inventare ist dieser Tatbestand belegbar. Obwohl noch 1869 der Nautilus pompilius als Muschel bezeichnet wird, sind die genannten Pokale doch etwas genauer charakterisiert. Alle sind mit einer vergoldeten Einfassung versehen und können aufgrund der Beschreibung des Schaftes eindeutig zugeordnet werden. Wie Inventaren des 19. Jahrhunderts zu entnehmen ist, besaßen die Schwarzburger darüber hinaus noch drei weitere Nautiluspokale. Da diese im Inventar von 1729 nicht aufgelistet werden, liegt die Vermutung nahe, dass sie zu den privaten Sammlungen einzelner Familienmitglieder gehörten und dementsprechend inventarisiert wurden. So besaß beispielsweise Anna Sophie von Schwarzburg-Rudolstadt (1670-1728) mit Silber eingefasste Muscheln, die sich ebenfalls im Raritätenkabinett von Friedrich Anton befanden, aber bei der Inventarisierung von 1729 nicht berücksichtigt wurden. Ebenso zierten bearbeitete Muscheln und Korallen ihr Spiegelkabinett, das sich nur zwei Räume weiter vom Raritätenkabinett befand. Bereits vor 1733 wurde das Raritätenkabinett aufgelöst, und die Kunstgegenstände fanden in den Privaträumen oder in speziellen Sammlungskabinetten Aufstellung. Leider befinden sich von den sechs nachweisbaren Pokalen heute nur noch vier im Sammlungsbestand des Museums Heidecksburg. [Doreen Winker]
weitere Angaben: Fassung ohne Marken; zwei Nautilius pompilius mit Schwarzgravur und Flachrelief, Wirbel aufgeschnitten, teilweise freigelegte Topsepten, um Septenstruktur und Nucleus sichtbar zu machen, Mündungskammerrand bei zwei Pokalen begradigt

Material/Technique

Silber, gegossen, ziseliert, graviert und vergoldet

Measurements

H: 23,1 cm; 22,5 cm; 20,8 cm

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Thüringer Landesmuseum Heidecksburg

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