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Städtische Museen Jena, Kunstsammlung Klassische Moderne [SMJ Kui I, 100]

Erich Kuithan: Der Frühling. 1906

Erich Kuithan: Der Frühling. 1906 (Städtische Museen Jena, Kunstsammlung CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Städtische Museen Jena, Kunstsammlung (CC BY-NC-SA)

Description

Am 24.10.1875 in Bielefeld geboren, zieht die Familie nach dem Tod des Vaters 1888 nach München, wo Erich Kuithan nach dem Abitur die Zeichenschule von Ludwig Schmid-Reutte und Friedrich Fehr besucht und die menschliche Anatomie anhand ägyptischer und frühgriechischer Skulpturen studiert. Auf Empfehlung Ludwig Pallats wird er im Jahre 1903 an die neu zu gründende freie Zeichenschule nach Jena berufen und der Direktor der von der Carl-Zeiss-Stiftung errichteten Schule. Mit der Durchführung von Wand- und Deckenbildern, des Bühnenvorhangs und der Außenanlagen übernimmt er die künstlerische Ausgestaltung des Volkshauses. 1904 entwirft er das Warenzeichen von Zeiss und fertigt 1909/10 das großformatige Historienbild "Schiller auf dem Wege zu seiner Antrittsvorlesung in das Griesbachhaus am 26. Mai 1789" an. Während seiner Jenaer Zeit beteiligt er sich nicht nur an Ausstellungen des neu gegründeten Jenaer Kunstvereins, sondern engagiert sich auch in dessen Vorstand. Angeregt von den humanistischen Ideen Ernst Abbes, die sozialpolitische Reformen und das Auflösen erstarrter Konventionen nach sich zogen, schuf er idealistische Bilder von Menschen u. a. in Frühlingslandschaften, so auch in dem Ölgemälde "Der Frühling" von 1906.
Eingebettet in einer weitläufigen Frühlingslandschaft fließt ein Fluß von Bäumen flankiert ruhig und s-förmig im Bildhintergrund. Den Horizont bildet eine blau überzogene Bergkette. Bis auf den wolkenverhangenen Himmel ist die Landschaft in hellen Pastelltönen wiedergegeben. Am linken Bildrand überspannt eine Holzbrücke den Fluß. Vor der Landschaftskulisse sind links zwei Frauengestalten schreitend in fast voller Bildhöhe zu sehen; rechts bückt sich eine weitere Frau in roséfarbenem Kleid, hinter der ein nacktes Kind steht, nach Frühlingsblumen. In der Bildmitte sitzt im grünen Gras ein zweites entkleidetes Kind. Die weibliche Figur mit dem entblößten Oberkörper hält die rechte Hand nachdenklich angewinkelt an den Kopf, so dass das vom Wind getragene, orangefarbene Tuch über der rechten Schulter liegt und die Hüfte umschließt. Der weiße Rock nimmt die von links kommende Bewegung des Windes auf, in dem sich auch die schulterlangen, blonden Haare bewegen. Oskar Schmolitzky bezeichnet sie als "Norne, die tiefsinnig in sich zusammengesunkene Gestalt, die künftiges Schicksal Vorausahnende". Damit kann sie als Allegorie des Frühlings ausgemacht werden, denn auch der Frühling bringt neues Leben hervor; sie allein bestimmt den Verlauf der Natur und weiß um das Entstehen neuer Pflanzen. Schräg hinter ihr blickt eine Frau im grünen Kleid und einem über die Schulter geworfenen mintgrünen Schal sehnsüchtig gen Himmel. Neben dem stehenden Kind - die Blumen in Händen haltend und träumerisch die Ferne suchend - sind sie die beiden einzigen Figuren, die ihren Kopf aufrichten und nach oben blicken. Bis auf die beiden äußersten Frauen tragen die "Norne" und die Kinder blondes Haar. Als farbliches Pendant zur Landschaft und dem grünen Kleid stehen die roten Schuhe der Entblößten. Obwohl Allen ein Hauch von Leichtigkeit und Sanftmut innewohnt, wirkt selbst das Spiel der Kinder schwermütig und leicht melancholisch. Verstärkt wird dieser Eindruck durch das Vermeiden des Blickkontakts; jede Figur schaut in eine andere Richtung und ist in sich gekehrt. Die dekorativ geschwungenen Linien und die relativ weichen Umrisse der Figuren zeigen, dass sich Kuithan von dem anfänglichen Aneignen der Menschen als Staffage verabschiedet und so den menschlichen Körper in die Natur zurückholt hat. [Janet Matz]
Lit. Schmid 1993, Kat. 16, Abb. (s/w) S. 16

Material / Technique

Öl auf Leinwand

Measurements ...

140 x 208 cm

Created ...
... who:
... when

Relation to persons or bodies ...

Literature ...

Tags

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[Last update: 2017/04/20]

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